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Abstract:
Die Ernährung in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Hochverarbeitete Lebensmittel, reich an gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker, sind in unserem Alltag überall und schnell verfügbar. Sie beeinflussen die Entwicklung und den Verlauf von ernährungsmitbedingten Erkrankungen und haben gravierende Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit. Die von diesen Krankheiten verursachte Krankheitslast nimmt in Deutschland kontinuierlich zu. Der aktuell in Deutschland verfolgte Ansatz, auf diese Entwicklung zu reagieren, beruht auf der Behandlung dieser Erkrankungen in einem immer teurer werdenden Krankenversorgungssystem bei zunehmendem Krankenstand und immer weiter steigenden Gesundheitskosten und Krankenversicherungsbeiträgen. Um die Tragfähigkeit des solidarisch finanzierten Gesundheitssystems ohne eine übermäßige Belastung von Gesellschaft und Wirtschaft zu sichern, ist es dringend erforderlich, diesen Ansatz um wirksame Prävention zu ergänzen. Die Ernährungswende zielt darauf ab, durch eine ausgewogene, pflanzenbasierte Ernährung die Gesundheitsrisiken zu senken und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Eine solche Wandlung fördert nicht nur eine gesündere Bevölkerung, sondern sie unterstützt auch eine nachhaltige und verantwortungsbewusste Lebensmittelproduktion (siehe hierzu auch den Denkanstoß 19 aus der Akademie „Die Zukunft unserer Ernährung: Nahrungsmittelproduktion und Nahrungsmittelqualität“).
Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Ernährung, Gesundheit, Prävention“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften hat sich diesem Thema angenommen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, aktuelle wissenschaftliche Diskussionen zur Zukunft unseres Agrar- und Ernährungssystems aufzuarbeiten.
Darüber hinaus möchte die Arbeitsgruppe, angesichts der gegenwärtigen Chancen und Herausforderungen, Empfehlungen für eine umfassende Ernährungswende an Wissenschaft, Gesellschaft und Politik in Deutschland aussprechen. Die Empfehlungen knüpfen an zahlreiche Vorschläge von Fachgesellschaften und Gremien an, wie das gegenwärtige Agrar- und Ernährungssystem in Deutschland gesundheitsförderlicher sowie ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltiger gestaltet werden kann. Diese Transformation stellt eine zentrale Herausforderung der Zukunft dar.