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Humboldts Revolutionärer Blick auf die Erde: Ein Programm für das Anthropozän

Urheber*innen
/persons/resource/Wolfgang.Lucht

Lucht,  Wolfgang       
Potsdam Institute for Climate Impact Research;

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Zitation

Lucht, W. (2025): Humboldts Revolutionärer Blick auf die Erde: Ein Programm für das Anthropozän. - In: Schneider, C. (Ed.), Blickwinkel KOSMOS - Perspektiven auf Alexander von Humboldts Werk und das Anthropozän, Berlin : Berlin Universities Publishing, 120-217.
https://doi.org/10.14279/depositonce-22070


Zitierlink: https://publications.pik-potsdam.de/pubman/item/item_32477
Zusammenfassung
Als Alexander von Humboldt im Jahr 1802 den Pass von
Huangamarca in den Anden erreichte, verschmolz dieser
Moment persönliche Ambition mit dem wissenschaftlichen
Ziel, eine revolutionäre neue Sicht auf die Erde und ihre
Teilsysteme zu erreichen. Den Pazifik zum ersten Mal mit
eigenen Augen zu erblicken und der erzielte Überblick
über die Zusammenhänge der Landschaft spiegelten
wichtige Aspekte einer verallgemeinerten Auffassung von
den Komponenten des Erdsystems wider. Der Moment
hatte einige Jahrhunderte zuvor seine Entsprechung in
Petrarcas Besteigung des Mont Ventoux und später in der
Entwicklung der modernen Erdsystemwissenschaften im
Jahrhundert Vernadskijs und Lovelocks, die zu Schellnhubers
Konzeption einer Erdsystemanalyse führte, einer emergenten
Wissenschaft der gesamten Erde. Aber welchen Grundsätzen
müsste das Design der sozialen, wirtschaftlichen und
technologischen Systeme der Menschheit im Zeitalter des
Anthropozäns folgen, in welchem menschliches Handeln
den Zustand der Erde weit über jede historische Präzedenz
hinaus verschiebt, um eine Zukunft innerhalb der planetaren
Grenzen und ein Leben in Würde für alle zu ermöglichen?
Der finnische Architekt Alvar Aalto vertrat die Auffassung,
dass der menschliche Maßstab absolut zentral ist, wenn die
Unmenschlichkeit rein technologischer Industrieprodukte
vermieden werden soll. Solche Prinzipien aus dem Bereich der
Architektur als einer Kunst der Lösungsfindung müssen nun
darauf angewendet werden, im Anthropozän die planetaren
Gemeingüter verantwortlich zu bewahren. Ein vorläufiges
Humboldt’sches Programm für das Anthropozän, das
derartige Gedankengänge aufgreift, nennt vier Punkte: Das
Design aller sozialökologischen Systeme muss biozentrisch,
nicht geozentrisch sein; den menschlichen Maßstab als
zentral beachten; die Spannung zwischen natürlichen und
menschlichen Dimensionen integrieren und auf der besten
verfügbaren koevolutionären Erdsystemanalyse aufbauen;
und sich als angewandte Kunst verstehen als dem einzigen
Weg, wissenschaftliche Erkenntnis mit der menschlichen
Gedankenwelt zu verbinden.